Neuer Fall von Vernachlässigung Schutzbefohlener-(Ehemänner)!
Was sind das für Frauen, die zu so etwas fähig sind, fragt man sich
unwillkürlich angesichts des neuesten Falles von gefährlicher Vernachlässigung,
der sich letztes Wochenende in Piesbach ereignete.
Wie erst jetzt bekannt wurde, befreite die Polizei am Sonntag
gegen Mittag im Schöngutweg aus einer Hochparterrewohnung einen kurz vor dem
Verdursten stehenden, schlecht ernährten paarundvierzig-jährigen Mann.
Nachbarn hatten die Ordnungshüter alarmiert.
Die Ehefrau des Mannes, war am Morgen für ein paar Stunden mit den Kindern zu
den Großeltern gefahren. In der Wohnung fanden die Mitarbeiter der Polizei
keinerlei altersgerechten Getränke. "Nur Wasser, Tee und Säfte, so was
habe ich noch nie gesehen", so der noch sichtlich mitgenommene
Polizeibeamte. Er und seine Kollegen erleben so einiges, aber in jener Wohnung
fanden sie nicht einmal genügend Nahrung für eine einzige Männermahlzeit. Nur
Müsli, Milchprodukte und Rohstoffe wie Kartoffeln, Reis oder Eier, die vor dem
Verzehr erst noch verarbeitet werden müssten, befanden sich in der Küche.
Die Regale der Wohnung quollen über von kulturwissenschaftlicher Fachliteratur.
Aber es fand sich keine einzige Männer-, Auto-, Angel- oder Fußballzeitschrift.
Auch kein Fernseher. Die Beamten brachten den Mann in eine Kriseneinrichtung
der gastronomischen Hilfe, dem "Chicken-Herby" in der
Litermontstraße.
Der Leiter der Einrichtung päppelte den Mann persönlich mühsam
über Stunden mit Bier und Korn wieder auf. Mitarbeiter des zuständigen
Pizzaservice verteilten Notrufnummern in der Nachbarschaft.
"Warum erst jetzt!?" fragten einige?
Oftmals sind Männer, die Opfer dieser Form von Vernachlässigung geworden sind,
schlicht und einfach nicht in der Lage, selbst um Hilfe zu bitten. Seit sich
schnurlose Telefone in den Haushalten allgemein durchgesetzt haben, wissen oft
nur noch die Frauen, wo in der Wohnung sich diese Telefone befinden.
Junge Frauen seien mit der Haltung und Pflege eines Mannes häufig überfordert. Der
zuerst possierlich wirkende Mann werde schnell zu einer Belastung, wenn er nach der
Balz seine typischen Verhaltensweisen der Sesshaftigkeit ausbilde. Spätestens
wenn die ersten Kinder da seien, bleibe den Frauen neben ihrer Berufstätigkeit
kaum noch Zeit für den Mann. Böse Absicht sei es eigentlich so gut wie nie, die
Frauen dazu bewege, ihren Mann alleine zu Hause zu lassen.
Aber Fälle wie dieser erschüttern selbst die erfahrensten Einsatzkräfte.
"Der Ärmste hat bloß noch 90 Kilo gewogen." Fassungsloses
Kopfschütteln.
Dem Mann geht es glücklicherweise wieder den Umständen entsprechend gut. Aber
das Entsetzen bleibt. Nachbarn und Anwohner stellten Flachmänner und Sixpacks
unter dem Balkon des Opfers auf und entzündeten Kerzen. Auf einem
handgeschriebenen Zettel steht die Frage: "Warum?" Sie bewegt hier
alle.